Mediengestalter Walter Oppel

Vergessene Mythen / Fotoserie / Die Geschichten der Sacri Monti – Der katholische Themenpark




Die heiligen Berge „Sacri Monti“ in Norditalien sind ein bizarrer und faszinierender Ort. Auf mehrere Berggipfel verteilt, werden dem Wanderer die für die katholische Religion wichtigsten Kapitel der Bibel dramatisch und emotional präsentiert. Vor mehreren Jahrhunderten für all jene angelegt, die nicht lesen konnten oder kein Latein verstanden, entstand ein Themenpark der den Glauben und seine Protagonisten in verschiedenen Stationen bildlich zum Leben erweckt. Zu sehen sind unter anderem Schaubilder aus dem Leben Jesu, aber auch Szenen des Heiligen Franz von Assisi. Diese religiösen Mythen haben die westliche Kultur viele Jahrhunderte bis zur Säkularisierung geprägt.

Die Fotoserie hebt aus diesen opulenten Schaubildern wenige, minimalistisch inszenierte Szenen heraus. Dabei tritt die artifizielle Persönlichkeit der Figuren in den Vordergrund und die biblische Bedeutung verschwindet im Hintergrund. Ähnlich wie es dem religiösen Glauben als sinnstiftendes Element und Einflussgröße auf das Leben der Menschen ergangen ist. Die Serie greift diesen Emanzipationsprozess, der mit der Aufklärung begonnen hat und in der rationalen Welt der Wissenschaft zu enden scheint, visuell auf.

Replica warfare / Fotoserie / Spielzeugwaffen




„Wir haben früher auch mit Waffen gespielt und uns hat es nicht geschadet!“ Das Kinder mit Waffen spielen ist normal und für ihre Entwicklung wichtig. Im Spiel setzten sie sich mit ihren Ängsten auseinander und lernen mit Krieg und Gewalt umzugehen. Dafür brauchen Kinder nicht einmal unbedingt Spielzeugwaffen, wenn nötig kann die Phantasie innerhalb der Spielwelt alles zu einer Waffe transformieren. Neu ist, dass Spielzeugwaffen nicht mehr nur einfach Knallpistolen und oder Plastiksoldaten sind, sondern komplexe, in eine mediale Erlebniswelt eingebundene, aufregende Produkte. Die Implementierung von Waffengewalt in die Spielwelt ist Teil des Gender-Marketings. Kinderspielzeug orientiert sich zunehmend an Geschlechterklischees. Während sich Mädchen in rosa Welten emphatisch um Pferde kümmern, Partys organisieren und neue Outfits einkaufen, müssen Jungen die Welt vor dem ewig Bösen schützen. Sie sollen stark sein und den Aggressor mit Waffengewalt in die Flucht schlagen. Immer mehr Spielzeuge unterwerfen sich den erfolgsversprechenden Regel des Gender-Marketings. LEGO gelang durch die konsequente Konzentration auf die Implementierung tradierter Rollenbilder in ihre Spielzeugwelten der Aufstieg von insolvenzbedrohten Unternehmen zum Weltmarktführer. LEGO bietet aktuell so viele Produkte mit Waffen an wie noch nie. Ein Trend der in der ganzen Branche zu beobachten ist. Waffengewalt ist mittlerweile in der Spielzeug- und Entertainmentwelt der Jungen und teilweise auch in der der Mädchen so präsent, dass Kinder ständig animiert werden sich intensiv mit Waffengewalt zu beschäftigen. Es bleibt weniger Raum für andere Einflüsse.

Die Fotoserie Replica Warfare zeigt an ausgewählten Beispielen wie die Themen Waffen und Krieg mit ästhetisierten Produkten für Kinder spannend und attraktiv inszeniert werden. Da die Spielwelt der Kinder stark auf die Lebenswirklichkeit der Erwachsenen bezogen ist, spiegeln die Bilder auf interessante Weise auch die Affinität der Gesellschaft zum Gewaltkonsum wieder. In vielen Produkten lassen sich Verweise auf mediale Gewaltinszenierung für Erwachsene finden.

Touch up / Fotoserie / Seenland und ehemaliger Tagebau in der Lausitz




Eine Landschaft verändert sich. Auf Betreiben des Energiekonzerns Vattenfall entsteht in der Lausitz Europas größtes Seengebiet. Riesige, ehemalige Tagebauflächen werden mit Wasser geflutet und vereinzelt mit touristischer Peripherie versehen. Die Zerstörung der Landschaft wird mit den gigantischen Wassermassen wegretuschiert. Urlauber und Badegäste sollen der Region einmal eine neue wirtschaftliche Perspektive geben. Doch noch ist die Retusche der Landschaft nicht abgeschlossen. Die Serie Touch up betrachtet den Übergang von der einen zur anderen Nutzungsform.

Es ist spannend zu sehen, wie sich durch den Tagebau und seine jetzige Flutung ein ganzer Landstrich, in dem ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe, zum zweiten Mal in kurzer Zeit radikal wandelt.



Mediengestalter Walter Oppel

Es war nicht alles schlecht / Videoinstallation


Es war nicht alles schlecht / Videoinstallation

Video-Installation zum Plattenbaukonzept der DDR-Regierung, entstanden im Rahmen eines Uni-Projekts bei Julian Rosefeldt.

Die Peripherie ostdeutscher Städte ist geprägt vom Massenwohnungsbau der DDR-Regierung. Fast zwei Millionen Wohnungen sind im der Großplattenbauweise entstanden. Wohnanlagen geschaffen für die Ewigkeit und die goldene Zukunft des Kommunismus, uniforme Container für konforme Bürger. Das System das diese Objekte errichten ließ ist zerfallen, mit ihm zerfielen ganze Staaten, Wirtschaftssysteme, Gesellschaftsstrukturen, Wertevorstellungen und ein gemeinsames Feindbild. Grenzen sind im Lauf der Zeit verschwommen, was sichtbar blieb, sind die Blöcke, Monolithen gegen das kollektive Vergessen und Verklären.

Es war nicht alles schlecht ist eine Zwei-Kanal-Videoarbeit, eine Kombination aus Foundfootgage und selbst gedrehten Plattenbauimpressionen aus Weimar-Nord und Jena Lobeda, die sich auf Perspektiven meiner Kindheit beziehen.

Die Arbeit nähert sich dem Unrechtsstaat der Deutschen Demokratischen Republik über seine architektonische Ikone, dem Plattenbau. Ein Fragment aus der Erklärung des scheidenden DDR Finanzministers Ernst Höfner vor der Volkskammer, lässt den Blick hinter die Fassaden des gescheiterten Regierungsapparates zu.


Wir waren mal Feinde / Fulldome Videoarbeit


Wir waren mal Feinde / Fulldome Videoarbeit

Mehr als 20 Jahre sind seit der Öffnung der innerdeutschen Grenze vergangen. Die Spuren der einstigen Teilung sind weitestgehend verschwunden. Nur vereinzelt sind Fragmente jenes lückenlosen Zauns, der das gesamte Staatsgebiet der DDR von dem der BRD trennte, erhalten geblieben. Betrachte man die Reste der DDR-Militärbauten vor dem Hintergrund der Erkenntnisse, die man aus offiziellen Dokumenten und Anweisungen an die Sicherheitsbehörden erlangen kann, zeigt sich, wie gnadenlos der kollektive Freiheitsentzugs an seinen Bürger vollstreckt wurde. Die offiziell als Schutz vor der faschistischen Bedrohung legitimierte Geiselnahme der Bevölkerung ist einer der gravierendsten Belege für den Unrechtsstaat der DDR. Wir waren mal Feinde erzählt im großen 360° Panoramaformat ein Stück deutsche Geschichte. Diese Videoarbeit entstand im Fulldome-Format


Blatt für Blatt / Dokumentarfilm / Regie und Kamera


Blatt für Blatt / Dokumentarfilm / Regie und Kamera

Archive bewahren in ihren Räumlichkeiten eine kaum überschaubare Anzahl historischen Materials von immensen Wert für Wissenschaft und Forschung. Ein Schatz, so zeigten es jüngst die Tragödien von Weimar und Köln, der empfindlich und vergänglich ist. Die Angst vor dem totalen Verlust und die geänderte Anforderung seitens der Forschung an die Verfügbarkeit von Wissen veranlassen nahezu alle Archive sich intensiv mit der Digitalisierung ihres Bestandes zu befassen. Der klassische Verantwortungsbereich des Sammelns, Bewahrens, Erschließens und Präsentierens wird durch die einsetzende digitale Erfassung komplexer und aufwendiger. Das zu bearbeitende Pensum nimmt im erheblichen Umfang zu, denn auch die Digitalisate müssen in Datenbanken hierarchisiert, kontextualisiert, gepflegt und zugänglich gemacht werden. Archive betreiben auf diesem Gebiet eigenverantwortlich Feldforschung und suchen seit Jahren nach effektiven und ökonomisch sinnvollen Lösungsstrategien.

Der Dokumentarfilm Blatt für Blatt begleitet die Digitalisierung von Kulturgütern in staatlichen Einrichtungen und beleuchtet die daraus resultierende Herausforderung, die gewonnenen Daten für die „Ewigkeit“ zu bewahren.


Etwas ist da noch / Kurzfilm / Buch und Regie


Etwas ist da noch / Kurzfilm / Buch und Regie

Der 16mm Kurzfilm „Etwas ist da noch“ thematisiert die Beziehung zweier Schwestern. Ein Verhältnis, das von einem Konflikt
bestimmt wird, der die beiden zwar nicht direkt betrifft, ihr Miteinander aber umso stärker beeinflusst.

„Etwas ist da noch“ entstand im Rahmen eines 16mm Kurzfilm-Projektes an der Bauhaus Universität Weimar.







2016

Master of Arts

2014


Master-Studiengang Photography an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Studium bei: Rudolf Schäfer und Emanuel Mathias

2014

Master of Fine Arts

2011


Ausgezeichnet mit dem zweiten Preis beim Kieler STUDENTS NIGHTLIFE AWARD für die Fulldome-Videoarbeit
Wir waren mal Feinde

2009

Bachelor of Fine Arts

2006


Ausgezeichnet mit dem Newcomer Video Journalism Award beim internationalen VJ-Fesitval Berlin für die
Gruppenarbeit Muted Talent

2005


Studiengang Mediengestaltung / Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar
Studium bei: Julian Rosefeldt, Christiane Büchner, Gordian Maugg, Günther Reisch und Mike Kraus